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Bewertung der Redaktion
Zucker Zitrone
Jugendbuch Familie Freundschaft Außenseiter Gefühle Coming of Age
Titel Schallplattensommer
Autor*in Alina Bronsky
Das sagt der Klappentext

Als einziges Mädchen im Umkreis von 13 Kilometern ist Maserati Aufmerksamkeit gewohnt. Dabei will sie nur eines: Den Feriengästen selbstgemachte Limonade ihrer Oma servieren und die Tage bis zur Volljährigkeit zählen. Mit der Liebe will sie nichts zu tun haben – und schon gar nichts mit den Annäherungsversuchen der Söhne...

Als einziges Mädchen im Umkreis von 13 Kilometern ist Maserati Aufmerksamkeit gewohnt. Dabei will sie nur eines: Den Feriengästen selbstgemachte Limonade ihrer Oma servieren und die Tage bis zur Volljährigkeit zählen. Mit der Liebe will sie nichts zu tun haben – und schon gar nichts mit den Annäherungsversuchen der Söhne der reichen Familie, die gerade die Villa im Dorf gekauft hat.
Doch dann stellen Caspar und Theo verbotene Fragen: Warum hat Maserati kein Smartphone? Wovor hat sie solche Angst? Und wie kann es sein, dass ihr Gesicht das Cover einer alten Schallplatte ziert? Plötzlich steckt Maserati bis zum Hals in Geheimnissen zweier Familien und im eigenen Gefühlschaos.

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Das sagt die Zucker & Zitrone Redaktion

Maserati hat die Schule geschmissen. Ihre Großmutter, bei der sie lebt, hat immer öfter wirre Aussetzer. Das darf niemandem auffallen und die gemeinsame Gastwirtschaft muss weiterlaufen. Sonst, so fürchtet Maserati, wird die Oma ins Heim gesteckt und sie gleich mit. Nun ist es Sommer und der Laden brummt. In die...

Maserati hat die Schule geschmissen. Ihre Großmutter, bei der sie lebt, hat immer öfter wirre Aussetzer. Das darf niemandem auffallen und die gemeinsame Gastwirtschaft muss weiterlaufen. Sonst, so fürchtet Maserati, wird die Oma ins Heim gesteckt und sie gleich mit. Nun ist es Sommer und der Laden brummt. In die verfallene Villa am Ende der Straße ziehen reiche Städter, die Renovierungsarbeiten sind im ganzen Dorf zu hören. Maserati ist genervt, sie will mit den beiden fremden Jungs nichts zu tun haben. Oder vielleicht doch? Immer stärker fühlt sich Maserati von dem Charme des einen und dem Geheimnis des anderen angezogen.

 

Man mag Maserati. Das schon. Aber richtiges Interesse bringt man nicht für sie auf. Das könnte daran liegen, dass ihr Charakter nicht so richtig greifbar ist. Sie wird als etwas eigenartige, doch stolze Dorfschönheit eingeführt, die den Feriengästen und Zugezogenen mit kühler Distanz begegnet. Ein Arbeitstier ist sie außerdem. Sie schuftet, schrubbt, wäscht ab, jongliert die Oma durch den Tag, erntet Obst und kocht es ein. Und dies alles in völliger Isolation. Sonstige Landbevölkerung kommt – bis auf eine Ausnahme – nicht vor. Maseratis scheint in keinem Verhältnis zu dem Umfeld zu stehen, in dem sie lebt. Sie ist eine sehr erdige Außerirdische.

Dann entpuppt sie sich jedoch als ehemaliges Stadtkind, dessen Mutter ein alkoholsüchtiges, schönheitsoperiertes Partygirl und berühmt-berüchtigtes Opfer der Boulevardpresse ist. Diese überraschende Backstory zu dem Setting, in das Maserati gesetzt wurde, kauft man ab. Das sie selbst aber – eben noch so anpackend und gegen jede Annäherung mit Gleichgültigkeit gerüstet – im Angesicht der hübschen Jungs von neuerdings-nebenan sentimental und manipulierbar wird, kratzt an der Glaubwürdigkeit ihrer Figur. Regelrecht konstruiert wirkt aber erst die Geschichte um ebendiese Nachbarjungs. Sie sind genau so alt wie Maserati, märchenhaft reich, der eine dunkel, düster und traurig, der andere natürlich blond, lustig und wunderschön. Beide tragen jeder für sich ein Trauma mit sich herum. Diese Traumata sind allerdings eher dramaturgische Hilfsmittel, als das sie den Figuren Tiefe verleihen könnten. Zum Überfluss sind beide Jungs auf ganz unterschiedliche Art mit Maseratis Vergangenheit verknüpft. Was für ein Zufall!

 

Alina Bronskys kann gut schreiben. Ihr Ton ist knapp, lässig, fluffig, dabei ziemlich zielgenau und es gelingt ihr, schwierige Themen einfliessen zu lassen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. In diesem Roman allerdings hat sich ihre Schreibkunst in dem überdeutlichen Konstrukt der Geschichte verheddert. Man steigt nicht ein in Maseratis Welt, weil man nicht glauben mag, dass sie echt ist. Damit ist „Schallplattensommer“ ein kurzweiliges Buch, das sich angenehm liest, durchaus unterhält, aber keinen wirklichen Eindruck hinterlässt.

 

Was denkt ihr? Stimmt ihr uns zu? Seht ihr das total anders? Schreibt uns eure Meinung zu „Schallplattensommer“!

 

- Mia Grau

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Metadaten
dtv 192 Seiten ISBN 9783423763707 ab 14 Jahren Erscheinungsjahr: 2022

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